Die Grenzen der Bewertung
Shownotes
Prüferinnen und Prüfer müssen Leistungen einschätzen – und dürfen dabei durchaus zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Doch der Beurteilungsspielraum endet dort, wo sachfremde Motive, objektiv falsche Bewertungen oder die Missachtung fachlich vertretbarer Lösungen ins Spiel kommen.
Darum geht’s in dieser Folge:
· Warum Bewertungen trotz einheitlicher Regeln unterschiedlich ausfallen können.
· Was der Beurteilungsspielraum in IHK-Prüfungen konkret bedeutet.
· Weshalb strenge Bewertungen rechtlich zulässig sind.
· Wo die Grenze zwischen zulässiger Strenge und Willkür verläuft.
· Weshalb auch fachlich vertretbare Lösungen außerhalb der Lösungshinweise zählen müssen.
· Welche Rolle Gerichte bei der Kontrolle von Prüfungsbewertungen spielen.
Genannte Links & Ressourcen:
· Kontaktdaten für Feedback und Themenwünsche finden Sie in den Shownotes.
Wir freuen uns über Ihr Feedback an pruefer-update@ihk.duesseldorf.de.
Das „IHK Prüfer-Update“ ist ein Podcastangebot der IHK Düsseldorf.
Konzept, Faktenprüfung und Endabnahme liegen bei der IHK. Künstliche Intelligenz dient uns als Werkzeug, um unsere Themen in Dialogform zu bringen und zu vertonen.
Transkript anzeigen
00:00:00: Dürfen Prüfer dieselbe Leistung unterschiedlich bewerten?
00:00:03: Und wo sind die Grenzen des Beurteilungsspielraums?
00:00:07: Genau darum geht's in dieser Folge.
00:00:10: Das IHK-Prüfer Update, Ihr zehn Minuten Briefing für rechtssicheres Prüfen
00:00:15: Alle zwei Wochen kompakt, verständlich und auf den Punkt.
00:00:22: Hallo und herzlich willkommen!
00:00:24: Mein Name ist Chris...
00:00:25: ...und ich bin Layla.
00:00:27: Starten wir direkt mit einem Fall aus der Praxis?
00:00:30: Ein Prüfling löst eine Aufgabe anders als in den Lösungshinweisen.
00:00:34: Fachlich wirkt das plausibel!
00:00:36: Ich, als Prüferin denke trotzdem so wollten wir das eigentlich nicht sehen.
00:00:40: darf ich Punkte abziehen oder überschreite ich damit schon eine Grenze?
00:00:44: Das ist ein absoluter Klassiker aus der Prüfungspraxis.
00:00:47: die Antwort darauf gibt es später.
00:00:50: erst müssen wir klären wie der Beurteilungsspielraum funktioniert denn genau daran entscheidet sich was der prüfer die prüference hier darf.
00:00:58: Genau, fangen wir mit den Basics an.
00:01:00: Was bedeutet Beurteilungsspielraum?
00:01:02: ganz praktisch?
00:01:04: Lass mich das anhand von zwei Beispielen aus dem Sport erklären!
00:01:09: Stell dir den Unterschied zwischen einhundert Meter Lauf und Eiskunstlauf vor.
00:01:14: Beim Sprint entscheidet rein objektiv die Stoppuhr.
00:01:18: Beim Eiskunnstlauf kannst du dagegen nicht messen wer erster ist oder wie gut die Leistung war.
00:01:24: Die Bewertung bleibt hier immer subjektiv.
00:01:26: Der eine Punktrichter belohnt die Eleganz, der andere bestraft einen kleinen Wacklerstrenger.
00:01:31: Beide halten sich an die Regeln, werten aber unterschiedlich.
00:01:35: Und was hat das jetzt mit den IHK-Prüfungen zu tun?
00:01:39: Genauso ist es auch bei vielen IHk Prüfungen.
00:01:42: Bei den meisten Prüfungsaufgaben gibt es kein einfaches richtig oder falsch.
00:01:47: Prüfer müssen auch bewerten wie überzeugend argumentiert wurde wie logisch und vollständig die Lösung aufgebaut ist oder wie souverän jemand im Fachgespräch reagiert.
00:01:57: Und das kann man eben nicht objektiv messen, zählen oder wiegen?
00:02:02: Richtig!
00:02:03: Wie überzeugend zum Beispiel eine Präsentation wirkt, ist eine Frage der persönlichen Einschätzung.
00:02:09: Und genau hier beginnt der Beurteilungsspielraum.
00:02:12: Aber das ist doch dann höchst subjektiv.
00:02:15: Genau prüfer sind nun mal Menschen und keine gleich geeichten Messgeräte Und Menschen bewerten eine Sache, na ja eben unvermeidbar aus ihrem persönlichen Blickwinkel ihrer Erfahrung und daher niemals völlig identisch.
00:02:28: Deshalb ist der eine Prüfer strenger die andere prüferin vielleicht milder das es nach der Rechtsprechung auch zulässig solange alle nach sachlichen Kriterien urteilen.
00:02:38: Jetzt mal ganz ehrlich habe ich dann einfach Pech wenn nicht an ein besonders strengen Prüfungsausschuss gerate?
00:02:44: Ja!
00:02:45: Ein Stück weit schon Die Rüsten sprechen tatsächlich vom Prüferrisiko oder auch vom Prüfungsglück.
00:02:53: Aber du bist diesem Risiko nicht schutzlos ausgeliefert, denn der Beurteilungsspielraum gilt natürlich nicht grenzenlos!
00:03:01: Und wo liegt jetzt genau die Grenze zwischen einem sehr strengen Prüffer und echter Wehkür?
00:03:06: Naja ein Prüifer darf zwar ausgesprochen streng sein.
00:03:10: nehmen wir an Du hältst fachlich eine hervorragende Präsentation überschreitest aber die vorgegebene Zeit deutlich.
00:03:17: Ein strenger Prüfer zieht ihr dafür deutlich Punkte ab.
00:03:21: Das ist hart aber rechtlich zulässig, weil die Bewertung auf einem sachlichen Kriterium beruht.
00:03:26: Okay und wo endet jetzt der Beurteilungsspielraum?
00:03:30: Drei Grenzen sind entscheidend!
00:03:32: Erstens Keine sachfremden Motive.
00:03:35: Wenn dir Punkte abgezogen werden, weil du beim Konkurrenzunternehmen arbeitest oder weil dem Prüffer dein Gesicht nicht gefällt, ist das Willkür- und Derbeurteilungsspielraum klar überschritten.
00:03:47: Zweitens.
00:03:48: Objektiv richtiges darf nicht als falsch bewertet werden.
00:03:52: Wenn du zwei plus zwei gleich vier rechnest, dann ist das natürlich richtig.
00:03:57: Da kann der Prüfer nichts sagen.
00:03:59: Das ist falsch.
00:04:00: Und schließlich drittens Auch andere fachlich vertretbare Lösungen müssen zählen.
00:04:06: Heißt jetzt konkret was?
00:04:07: Nimm unseren Eingangsfall Ein Prüfling löst eine Aufgabe anders Als in den Lösungshinweisen.
00:04:13: Der Prüfer überlegt, ob er die Aufgabe deshalb als falsch bewerten darf.
00:04:17: Und?
00:04:17: Darf er?
00:04:18: Nein!
00:04:19: Der Prüfling hat nach der Rechtsprechung einen Antwortspielraum.
00:04:23: Entscheidend ist nicht was in den Lösungshinweisen steht.
00:04:26: Der Lösungshinweis schreibt nicht den einzig zulässigen Lösungsweg vor.
00:04:31: Ist eine andere Lösung fachlich vertretbar muss der Prüfungsausschuss sie berücksichtigen auch wenn nichts davon in den Löwungshinweis entsteht.
00:04:40: und Wenn ein Prüflingen klagt bewertet das Gericht die Leistung dann selbst neu?
00:04:44: Nein.
00:04:44: Das Gericht prüft nur, ob die Prüfer den Beurteilungsspielraum eingehalten haben.
00:04:49: Ein gutes Bild dafür ist der Straßenverkehr.
00:04:52: Das gericht kontrolliert, ob der Prüffer überhaupt auf der Fahrbahn geblieben ist, ob er rote Ampeln überfahren, die Geschwindigkeit maßlos überschritten oder andere gefährdet hat.
00:05:02: Es schreibt ihm aber eben nicht vor, ob wer eher defensiv oder sportlich fahren muss solange er im zulässigen Bereich bleibt.
00:05:09: Das Gericht kann also nicht die Note anheben.
00:05:12: Nein!
00:05:13: Würde das Gericht sagen, ich fand die Präsentation überzeugend?
00:05:17: Daher mache ich aus einem Nicht-Bestanden ein Bestanden würde es seine Einschätzung an die Stelle der Prüfer setzen dann wäre es selbst zum Superprüfer geworden und genau das darf es nicht.
00:05:30: Dann halten wir die wichtigsten Punkte noch einmal fest.
00:05:33: Erstens prüfer dürfen Leistungen bewerten aber nur innerhalb klarer rechtlicher Grenzen.
00:05:39: Zweitens, fachlich vertretbare Lösungen dürfen nicht schlechter bewertet werden weil sie von den Lösungshinweisen abweichen.
00:05:48: Und drittens,
00:05:49: Strenge ist erlaubt Willkürnicht
00:05:52: Genau!
00:05:52: Wer diese drei Grundsätze verstanden hat versteht bereits das Herzstück des Prüfungsrechts.
00:05:58: Das war's für heute.
00:06:00: Jetzt sind Sie dran.
00:06:02: Wenn Sie Feedback oder Themenwünsche für eine der nächsten Folgen haben schreiben Sie uns gern.
00:06:07: Die Konhaktdaten finden Sie in den Show-Notes.
00:06:10: Bis in zwei Wochen und bleiben sie
00:06:34: Prüfungsfit!
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